14/14-Der Krieg zu Haus / zu Haus im Krieg – 1914 und 2014 (2014)

„Die Ungewissheit reibt mich auf“ - Der Ehemann irgendwo an der Front im 1. Weltkrieg, quälende Unruhe, teils zensierte Feldpost, teils solche mit unvorstellbaren Inhalten – Anna baut unvollständige Informationen zu eigenen Bildern, verarbeitet ihre nagenden Sorgen mit Verdrängung, Hoffnung und Tatkraft, um den eigenen Alltag bewältigen zu können.
„Ich mag es irgendwie, Angst zu haben“ - Cathérine zieht es immer wieder in Kriegsgebiete, nach Syrien, in den Irak, nach Afghanistan. Sie sucht die Gefahr. Ihr Beruf ist es, Bilder vom Krieg zu machen, zu erzählen, was passiert. Auch sie entwickelt Strategien der Verarbeitung eigener Traumatisierung. Zwei Frauen, zwei Zeiten.
1914 muss Anna das Geschäft allein weiterführen und ihr Überleben organisieren. So wird ihr Raum für den Wunsch nach Nähe immer kleiner, die Sehnsucht schleicht sich in ihre Träume, findet eine expressive Sprache im Unbewussten. Die Zeitenwende reißt Anna in ihren Strudel.
2014 arbeitet die Kriegsreporterin Cathérine mit emotionaler Distanz. Auch ihr Thema ist das „Überleben“, dem sie zwiespältig gegenüber steht.
Regisseurin Xenia Multmeier verarbeitet Feldpostbriefe, Reportagen, expressionistische Lyrik, arabische Märchen u.a. zu einer Collage aus authentischem Material.

Kooperation mit dem Pumpenhaus Münster

Credits

Marion Bertling (Cathérine), Anne Schömann-Finck (Anna).
Bühne: Wolfgang Mössing.
Musik: Udo Herbst
Buch und Regie: Xenia Multmeier

Presse

theater en face gelingt eine packende Collage, die Pathos vermeidet und damit umso näher kommt
Westfälische Nachrichten, 08.02.2014

Packende Inszenierung, atmosphärisch dichte Bilder
Münstersche Zeitung, 10.02.2014

Bildstarkes Stück, vielschichtig, hohe Intensität und packende, stille Tiefe. Beeindruckend.
Gig-Magazin, Februar 2014

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5414 seconds on john cage-(2010)

Revolution im Konzertsaal, Zufall, Gleichberechtigung zwischen „Geräuschen“ und “Musik” und die berühmtesten 4½ Minuten der Musikgeschichte,- damit verbindet man die Arbeit des Ausnahmekünstlers John Cage.
theater en face bringt zusammen mit dem Musiker Udo Herbst einen abwechslungsreichen Abend zu Gehör und auf die Bühne. Inspiriert durch die Cageschen Methoden, werden Stimmen, Geräusche und Musik eingesetzt, entsteht eine Welt aus Text / Klang / Stille und ungewöhnlichen Formen der Präsentation.
Eine poetische, manchmal wilde Hommage, aber auch sanft und meditativ.
Präparierte Schauspieler geben geheimnisvolle Anweisungen oder singen eine Giftpilz-Motette, während Udo Herbst die europäische Harmonie in ihre Einzelteile zerlegt. Eine Einladung an offene Ohren, die anders als „unter der Überschrift eines allgemein verabredeten Gefühls“ (J.C.) lauschen wollen.

Credits

Alexandra Baensch, Elisa Franz, Udo Herbst, Manuel Talarico, Christoph Winges.

Presse

Das „theater en face“ macht schnell deutlich, dass man sich bei dieser Art von Theater verabschieden muss von üblichen Vorstellungen über Bühnenspiel oder Konzerte. Das Geräusch von raschelndem Seidenpapier wird zur Perkussion für mittelalterliche Gesänge mit Gitarrenbegleitung. Eine elektrische Gitarre wird von Musiker Udo Herbst mit dem Stabmixer zum Klingen gebracht. Es gibt Haiku-Rezitationen und Goethe-Zitate, Texte von Stephen Hawking und Meister Eckhart. Selbst die Stimme von John Cage ertönt im Raum wie eine Botschaft aus dem Jenseits. Die Aufführung ist aufregend anders.

Westfälische Nachrichten, 01.11.2010

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7-Collage aus Theater und Kunst in einem Labyrinth (2003)

Sieben Sünden treffen auf Sieben Samurai: An 4 Ecken der Studiobühne werden je 7 Zuschauer in einen kleinen Irrgarten durch 7 Biografien entlassen. Entlang des schmalen Ariadne-Lebensfadens unter den Füßen muss man den eigenen Weg finden. Und wer seine Siebensachen dabei hat, kann sich etwas Wünschen. Auf dem Weg, die sieben Samurai: Eine Nonne, die es ablehnt, von Gott zu sprechen, ein Schriftsteller, der sich stündlich neu zusammensetzt, ein Sportler, der sich nach essbaren Bikinis sehnt, ein Maler, eine Mutter, eine Überlebende, ein Filmemacher. Wer Himmlisches und Irdisches zusammenzählt und bekommt ein Ganzes heraus. In der Studiobühne treffen Philosophie, Literatur, Theater und Modern Art Museum zusammen. Ein herzliches 7-Kammernspiel mit Texten, Installationen, Akteuren, Bildern – für Pfadfinder und Entdeckungsreisende, für Um-die-Ecken-Gucker und Sieben¬gescheite.

Credits

Heike Appel, Marion Bertling, Benjamin Haag, Jan Küper, Xenia Multmeier, Uwe Rasch, Christian Völz
Konzept und Gestaltung: Uwe Rasch / Xenia Multmeier
Bühne / Labyrinth: Nikolas Lemonidis
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Außergewöhnliche Produktion des theater en face – rätselhaft gestaltete sich „7“ schon vor dem eigentlichen Beginn: Von dem Projekt wussten die Zuschauer nur, dass sie sich von einer Primzahl durch den „Irrgarten des Lebens“ leiten lassen sollten, der mit Mitteln des Theaters und der bildenden Kunst gestaltet sei. (…) Die Unschlüssigkeit und Neugier war Teil des Konzepts einer Veranstaltung, die darauf ausgelegt war, durch ungewöhnliche Elemente zu irritieren und so eingefahrene Wahrnehmungs- und Denkstrukturen aufzubrechen. (…) Dort begegneten ihnen in 7 Räumen 7 Figuren, die jeweils einen anderen Lebensentwurf repräsentierten, in dessen Mittelpunkt Themen wie Sex, Identität, Gott, Wahnsinn, Tod, Familie, Zukunft standen. (…) Die Enge des Labyrinths, das eigene Entdecken seiner Räume und die sehr direkte Begegnung mit den Akteuren sorgten dabei für ein intensives Kunsterlebnis (…). In der „Deadly-Sinners`Lounge“, der in das Gesamtkunstwerk integrierten Bar, hatten die Besucher dann die Gelegenheit, darüber nachzudenken, zu philosophieren oder einfach nur einen außergewöhnlichen Abend nachwirken zu lassen.
Münstersche Zeitung, 25.11.2003

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Andy Warhol-Stück über Leben und Werk des Künstlers (2005)

„Kunst sollte für jedermann sein“ – Andy Warhol, Pop-Ikone und einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, lebte und arbeitete in den 60er Jahren in der berühmten Factory in Manhattan. Er war der Star der New Yorker Szene, umgab sich mit Glamour und verwandelte seine Umgebung in einem permanenten Prozess in intelligente Kunst.
In fünf Bildern zu Arbeit, Schönheit, Identität, Sex und Tod zeigt theater en face Warhols Leben und Arbeit in den Sixties. Warhol selbst kommt zu Wort, seine Superstars inszenieren sich, leben, lieben und leiden - und werden zu Kunst.
Andy Warhols Kunst übt eine übersetzende Tätigkeit aus und führt diese zugleich ad absurdum. Sie entführt Personen und Gegenstände aus der Realität, reduziert sie zu Bildern und übersetzt sie in die Warhol-Sprache, die wir jederzeit wiedererkennen, aber nie verstehen können. Hierbei stellt sie auch zugleich entlarvend die Realität in Frage, denn das Gesicht der Monroe ist schon immer ein medial inszeniertes Konsumprodukt, insbesondere, wenn es wie in Warhols Siebdrucken, unmittelbar als Standbild einem Film entnommen ist. In diesem Sinne denkt das Programm von en face das Schaffen Warhols fort, in dem es Bilder aus der gelebten Kunst, bzw. dem künstlerisch überformten Leben Warhols in eine andere Kunstform übersetzt, dabei den Übersetzungsprozess selbst inszeniert und die Person in einer Weise ins Scheinwerferlicht rückt, die die Frage nach dem einen, echten Warhol nicht zulässt.
Mit Musik von David Bowie, The Velvet Undeground und Lou Reed, interpretiert von dem Gitarristen und Ausnahme-Musiker Udo Herbst.

Credits

Marion Bertling, Peter Eberst, Elisa Franz, Monika Jordanow, Uwe Rasch (Andy Warhol), Alexander Roggenkamp, Alexander Rolfes, Anne Schömann-Finck.
Musik: Udo Herbst
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Unter der Regie von Xenia Multmeier hat sich das theater en face mit dem berühmt gewordenen Sohn slowakischer Einwanderer auseinander gesetzt. Auf der Grundlage von Interviews, Zeitungsberichten, Tagebüchern und Aussagen von Zeitgenossen ist eine dichte Szenenfolge entstanden, die den Künstler Warhol mit dem Menschen Warhol konfrontiert und dabei durchaus auf Widersprüche stößt. Dabei geht es dem achtköpfigen Ensemble nicht so sehr um eine rationale Aufarbeitung von Ereignissen. Was die Inszenierung sehenswert macht, ist die intuitive Annäherung an einen höchst sensiblen Menschen, der sich Zeit seines Lebens hinter einem kunstvoll geschaffenen Selbstbild versteckt, um nicht zu sagen in Sicherheit gebracht hat. Musikalisch unterstützt von Udo Herbst gelingt es den Schauspielern, die Atmosphäre einer Zeit einzufangen, in der die Kunst mit der Pop-Art (…) neue Wege suchte.
GIG im Dezember 2005

(…) Dabei werden lakonische Bonmots und das charakteristische „Ähm“ zum Besten gegeben, und es gelingt Rasch ausnehmend gut, Warhols tranige Art ins Deutsche zu übertragen. (…) Immer wieder wird dem Zuschauer die einstudierte Öffentlichkeitsarbeit mit subtilem Humor vor Augen geführt, und irgendwann liest der Künstler selbst Sätze wie „Oh mein Gott, ich falle gleich in Ohnmacht“ vom Zettel ab. „Andy Warhol“ ist demnach weniger ein Theaterstück, eher eine Ausstellung, eine Ausstellung, in der Warhol selber die Hauptattraktion ist. (…) „Isn´t life just a series of images?“ soll Andy Warhol mal gesagt haben. Angesichts dieser hervorragenden Serie von Bildern kann man ihm da nur zustimmen.
Westfälische Nachrichten, 16.11.2005

theater en face zeigt beeindruckendes Warhol-Porträt - Eindrucksvoll wird das Leben und Wirken der amerikanischen Pop-Ikone der 60er Jahre gespielt. Während der Musiker Udo Herbst mit Gitarren-Pop und ausdrucksstarker Stimme eine fiktive Lebensgeschichte Warhols mit Liedern von David Bowie bis Iggy Pop erzählt, plaudert der einflussreichste Künstler des 20. Jahrhunderts aus seinem Kunstkästchen. (…) Uwe Rasch alias Warhol lässt glauben, der wahre Warhol stünde auf der Bühne. (…)
Münstersche Zeitung, 16.11.2005

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Auf deine Schläfen tropft schwarzer Tau-Liebes- und Todeslyrik auf dem Hörster Friedhof (2000)

Texte von Barock bis Expressionismus spiegeln die ganze Bandbreite menschlicher Hoffnungen und Ängste, spielen auf der Klaviatur der Gefühle. Der besondere, verzauberte Ort des alten Hörster Friedhofs ist die Kulisse für den Lyrik-Walk-Act. Verfallende Grabsteine und das üppige Laub der alten Bäume sind das natürliche Bühnenbild, um das Spiel von Verlangen und Begehren und Trauer zu rahmen. Von Busch zu Baum, von Hecke zu manch lauschigem Platz führt das Programm einmal um den ganzen Friedhof, in der Zeit von Sonnenuntergang bis Dunkelheit.

Credits

Joachim Aich, Marion Bertling, Benjamin Haag, Karin Lagemann, Hilgrun Marx, Kai Reinhart, Alexander Roggenkamp, Anne LeTouzé.
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Das Theaterensemble verzauberte am Montagabend sein Publikum: Am späten Abend, um die Dämmerung und das Mondlicht auszunutzen, begann das ungewöhnliche Theaterprojekt. Ganz viele kleine Bühnen waren im Park entstanden, rote Fäden führten die Zuschauer von einem Gedicht und Schauspieler zum nächsten Ort des Vortrags. Zwischen den alten Bäumen und noch älteren Grabsteinen des Parks gelegen, immer wieder mit Fackeln bestückt, hingen rote Bänder an den Ästen eines Baumes, sehr effektvoll und einfach schön. Die Schauspieler, mit wenig Utensilien wie Äpfeln zum Jonglieren ausgestattet, erwarteten die Zuschauer und rezitierten gut ausgesuchte Texte von Gryphius über Hölderlin bis Trakl – wirklich gut.
Münstersche Zeitung, 31.05.2000

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Bernhard. Ein philosophisches Lachprogramm-Stück über und mit Texten von Thomas Bernhard (2011)

theater en face bringt Thomas Bernhard auf die Bühne: Seine Texte und ihn selbst als Figur. In schnellen Wechseln führt das Programm durch den unverwechselbaren Bernhardschen Kosmos. Das Ensemble zeigt Szenen von subtiler Tragödie über amüsante Interviews bis zur absurden Farce. Figuren zwischen Genie und Wahnsinn streiten in wortgewaltigen Schimpfkaskaden, gehen einander gezielt auf den Nerv, berühren durch ihre Sensibilität und ihre scharfe Weltsicht. Ein Ausflug in die schwindelerregenden (Denk-)Welten des streitbaren Autors und empfindsamen Spötters.

Credits

Marion Bertling, Uwe Rasch (Thomas Bernhard), Anne Schömann-Finck, Alexander Roggenkamp, Alexander Rolfes, Torsten Rother, Christoph Winges

Presse

Multmeier und ihrem Ensemble gelingt es, die Tiefe Bernhards auszuloten und gleichzeitig seinen Humor in den Mittelpunkt zu stellen.

Münstersche Zeitung, 24.01.2011
Uwe Rasch als Bernhard genial besetzt - Das Schauspielerteam des „Theater en Face“ hat sich ein paar Perlen herausgefischt und präsentiert sie so, dass sowohl Hirn als auch Lachmuskeln genug Bewegung erhalten - ein kleines, feines Theaterschmankerl.

Westfälische Nachrichten, 24.01.2011

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CityMachine-(2007)

„Ich gebe mir Mühe, frisch zu bleiben und hart, aber ich werde mich nicht anstrengen, das gibt Falten.“, so eine Frau, die auftaucht aus den Gesichtern der Masse und gleich auch schon wieder darin verschwunden ist. Ein Mann träumt, seinen Unterhalt nicht mehr verdienen zu können. Straßenkinder bewaffnen sich. theater en face mischt Texte aus den Zwanzigern mit heutigen Bestandsaufnahmen des Lebens in der Moderne. Glücksritter, Abzocker und Großstadtkämpfer offenbaren ihre Rezepte für das Überleben in der Stadt. Was erwartet den staunenden Neuling in den Straßenschluchten: Gedeckte Tische oder Hackfleisch? Was passiert mit der Liebe in der anonymen Stadt? Wie weit gehen, um einen Konkurrenten aus dem Weg zu räumen? Eine sogartige Mischung aus Minimal-music, poetischen und glasklaren Texten sowie suggestiven Stadtpanoramen ziehen den Zuschauer in den Strudel der lockenden Metropole.

Credits

Marion Bertling, Hilgrun Marx, Alexander Rolfes.
Musik: Udo Herbst.
Regie: Xenia Multmeier

Presse


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Die Debütantin und die Hyäne-Die Leben der Leonora Carrington (2008)

„The mind is such a strange thing”. Leonora Carrington, surrealistische Malerin und Schriftstellerin, weiß wovon sie spricht. Nicht nur in ihren Geschichten geraten meist Frauen in phantastische Abenteuer, auch in ihrem eigenen bewegten Leben lotete die Künstlerin geistige und erotische Höhen und Tiefen aus. Berühmt wurde sie Ende der 30er Jahre als wilde Muse von Max Ernst, mit dem sie, von zu Hause durchgebrannt, die surrealistische Szene in Paris aufmischte. Ob Bréton oder Dalí, Miró oder Buñuel, bei den Machokünstlern schlug sie ein wie eine Bombe. Sie bejubelten die gerade mal 20jährige exzentrische Britin, deren Bilder auf den großen Surrealismus-Ausstellungen Erfolg hatten. Auf das glanzvolle Erscheinen des jungen Stars folgte ein Tiefschlag. Max Ernst wurde wegen Spionageverdachts von den Franzosen verhaftet, Leonora floh vor den Deutschen nach Spanien, wo sie einen psychischen Zusammenbruch erlitt und einige Zeit in einer Nervenheilanstalt in Santander verbrachte. Nach ihrer Genesung gelang ihr die Flucht nach Mexiko, wo sie bis zu ihrem Lebensende lebte und arbeitete. Das Stück vermischt in assoziativer Szenenfolge Leben und Werk, zeigt die junge, verliebte Frau mit dem schwarzen Humor, die Leidenszeit in Santander und das witzig-entspannte literarische Alterswerk. Die Textauswahl zeigt den skurrilen und trockenen Humor Carringtons, und berücksichtigt poetische und authentische: Eine Debütantin lässt sich auf einem Ball ihrer Eltern von einer Hyäne vertreten, Wahnphantasien werden lebendig, eine über 90jährige wird durch ihre gleichaltrige Freundin auf wunderbare Weise aus dem Altersheim befreit, u.v.m.

Credits

Leonora Carrington: Marion Bertling
Musik: Udo Herbst
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Eine Frau fällt aus der Welt. Gerade, wie eine Kerze, starr vor Lähmung, stürzt sie durch den Bühnenboden in einen Raum darunter. Der einzige Zugang, den der Zuschauer noch zu ihr bekommt, findet per Videoübertragung statt. Dieser vielleicht stärkste Moment aus Xenia Multmeiers Inszenierung illustriert, welche theatralische Kraft der Einsatz von Video haben kann. Eindrucksvolle Metapher für die Isolation einer wirren Seele und gleichzeitig die einzige grobkörnige und falschfarbene Verbindung zu ihr. Andererseits der Moment der Verunsicherung: Ist das, was man sieht, live, authentisch oder eine Konserve und manipuliert? Nach Dalí, van Hoddis, Warhol und Beuys hat die Regisseurin Biographie und Werk einer weiteren modernen Künstlerin als Ausgangsmaterial für einen bildstarken, episodischen Parforceritt einer Einzelgängerin durch die sperrige Menschenwelt gewählt. (…) Der Zuschauer wird in einen Strudel gezogen, der Leonoras Leben in surrealistischen Blitzen beleuchtet. Unterstützt von der dichten, überraschenden Inszenierung Multmeiers, der Musik und den adäquat schrägen Musikcollagen Udo Herbsts legt Carrington-Darstellerin Marion Bertling ein mitreißendes Solo auf´s Parkett, bei dem sie alle Register ziehen kann.
GIG im Dezember 2009

mutig – vielschichtige Emotionen
Westfälische Nachrichten, 17.11.2009

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Die Muse mit der scharfen Zunge-Texte und Chansons der Zwanziger Jahre (2005)

Das theater en face lässt die 20er Jahre auferstehen. Da probiert eine mondäne Frau die Liebe mit beiden Geschlechtern, ein Arbeitsloser liebäugelt mit dem Dritten Reich, und ein Jüngling altert rapide beim Blusenkauf seiner Tante.
In einer Collage von vier Bildern zeigt das Ensemble die verschiedenen Gesichter der Weimarer Republik: Im Salon schwingt ein Paar, das keineswegs den Stand der Ehe anstrebt, das Tango-Tanzbein, während gleich daneben eine Dame über den Un-Sinn der Liebe nachdenkt. Zwei Veteranen aus dem ersten Weltkrieg kommen zu Wort, eine Kleptomanin streckt singenderweise ihre langen Finger aus, und große Köpfe fragen sich: Wieso wählen? Und was tun mit der Macht nach der Wahl? Wie bei einem Kaleidoskop wechseln hier die Stimmungen, wobei einige der Texte immer noch hochaktuell sind.

Credits

Marion Bertling, Peter Eberst, Franziska Heßhaus, Alexander Roggenkamp, Ellen Zitzmann
Regie: Xenia Multmeier
Licht: Torsten Rother
Klavier: Ellen Zitzmann und Alexander Roggenkamp

Presse

Nicht zuletzt von diesen aktuellen Anklängen war das Publikum begeistert und spendete nach nach Ende des Stücks minutenlang Beifall.
Münstersche Zeitung, 02.05.2005
Das theater en face entfaltet ein ganzes Kaleidoskop an brüchigen Stimmungen. Die Weimarer Republik zeigt ihre mannigfaltigen Gesichter. In wenigen gut ausgesuchten Texten Liedern und Bildern, die dank Marion Bertling, Peter Eberst, Franziska Heßhaus, Alexander Roggenkamp und Ellen Zitzmann nicht nur sehr intelligent unterhalten, sondern immer wieder auch erschreckende Aktualität gewinnen.
Westfälische Nachrichten, 02.05.2005
Die Wiederaufnahme des Stücks überzeugte durch souveräne Darstellung, hervorragenden Gesang und detailgetreues Ambiente, gab den Zuschauern zu denken und ließ sie in stiller Begeisterung zurück. Münstersche Zeitung, 12.10.2005

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Gefährliche Liebschaften -nach dem Briefroman von Choderlos de Laclos (2002) – Wiederaufnahme 2004 im „Il Bagno“, Steinfurt

Einst waren sie ein Liebespaar, die Marquise de Merteuil und der Vicomte de Valmont. Nun eint sie nur noch ihre eitle Bosheit und die Freude am listigen Ränkespiel. Die Marquise beauftragt Valmont, die unerfahrene Cécile zu verführen, um sich an deren Verlobten zu rächen. Doch Valmont hat auch noch ein „größeres“ Ziel: Die tugendhafte Madame de Tourvel. Am Ende verfängt sich das teuflische Paar im eigenen Netz.
Erfahrung spielt gegen Unschuld, Abgeklärtheit gegen vertrauensvolle Hoffnung. Der Weg bis zum bitteren Ende führt durch doppelbödige Dialoge und emotionale Hochspannung.

Credits

Marion Bertling (Tourvel), Jessica Henkel (Cécile), Xenia Multmeier (Émilie), Uwe Rasch (Valmont), Christoph Tiemann (Danceny), Ulrike Winkelmann (Rosemonde), Ellen Zitzmann (Merteuil)

Presse

Im ersten Moment denkt man: Ganz schön schneidig, die „Gefährlichen Liebschaften“ auf die engen Bretter der Studiobühne zu bringen – jenen berühmten Briefroman von Choderlos de Laclos. Und hat die tolle Verfilmung mit Glenn Close und John Malkovich den Stoff nicht derart an sich gerissen, dass sie nun endgültig in den Köpfen ist? Solche Bedenken schreckten die Truppe von „theater en face“ nicht. Sie zeigte vielmehr, dass es üppige Ausstattung in Hollywood-Opulenz gar nicht braucht, ja, dass diese sogar von den geschliffenen Dialogen ablenken würde. Weniger war hier wieder einmal mehr – viel mehr. Die Darstellung der talentierten Truppe um Regisseurin Xenia Multmeier machte rundum Spaß; die ausverkaufte Premiere wurde begeistert aufgenommen. (…) Ellen Zitzmann gab die Marquise wahrhaft aristokratisch, weit entfernt von allen Teufelsweibern der Filmgeschichte. Sanft war die Stimme, damenhaft jedes Lächeln, hinter dem die Verschlagenheit immer nur kurz aufblitzte.
Und der Vicomte? Uwe Rasch war halb zynischer Dandy, halb unreifer Bengel, der sein teuflisches Spiel mit kindlichem Vergnügen treibt. Ironische Zwischentöne gab es reichlich. (…) Der bekannte Weg dorthin (zum Ende) war genussvoll anzuschauen.
Westfälische Nachrichten, 24.01.2002

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HermannsSchlachten-(2008)

HermannsSchlachten zeichnet Fieberkurven der deutschen Hermannbegeisterung nach. Drei Schauspieler zerlegen den deutschen Nationalhelden und setzen ihn neu zusammen, spielen Szenen rund um den Mythos der Schlacht und gehen dabei auf Recherchereise zu Fragen nach Heldentum, Nationalbewusstsein und Befreiungskampf. Ein Spannungsbogen von Heinrich von Kleist bis Heiner Müller, von Heimatlied bis Jonathan Meese, in Szene gesetzt von theater en face.
Das Projekt entstand begleitend zu der Tagung „Hermannsschlachten“, die gemeinsam von der Literaturkommission von Westfalen und der WWU Münster veranstaltet wird.

Credits

Uwe Rasch, Alexander Roggenkamp, Alexander Rolfes
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Eine gelungene Inszenierung, die sich mit dem Mythos Hermann auf ebenso differenzierte wie unterhaltsame Weise auseinandersetzt.
Münstersche Zeitung, 01.07.2008

In einem Parforce-Ritt streben die drei Schauspieler durch ihre unzähligen Textquellen (…) begeisterten sie das Publikum. (…) gespickt mit klugen Gedanken, das hatte das Premierenpublikum noch nicht gesehen. Ironische Klasse besitzt auch das Ende der Aufführung. Aus dem Hintergrund singt stramm der stolze Deutsche (Alexander Rolfes) das bekannte „Als die Römer frech geworden“, während die zwei anderen Schauspieler schonmal die Bühne abräumen und das Licht ausmachen: „Sim serim sim sim sim sim!“
Westfälische Nachrichten, 01.07.08

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Herr Dalí schießt ins Publikum-Traum. Texte. Surrealistische Szenen (2001)

André Breton, Kurt Schwitters, Dalí und andere Surrealisten standen Pate bei dieser Spiel- und Textcollage rund um die Themen Schlafen, Träumen und Sexualität. In assoziativer, dem Traumgeschehen nachempfundener Folge reihen sich ver/rückte Bilder und ungewöhnliche Szenen aneinander, tiefen Sehnsüchten und Ängsten nachspürend. Ein Abend, um in große Gefühle einzutauchen, frivolen Gestalten der Nacht zu begegnen und über Skurriles zu kichern.

Credits

Christoph Bohm, Benjamin Haag, Frank Hafemann, Anne LeTouzé, Sabine Michel, Xenia Multmeier, Alexander Roggenkamp , Ulrike Winkelmann
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Überraschendes „Herr Dalí schießt ins Publikum – Das Ensemble um Xenia Multmeier hat eine zeitweilige Verschmelzung von Surrealismus und Realsatire geschafft. Abgehoben vom Alltag verblüffen die vier Männer und vier Frauen mit verschrobenen Perspektiven und wunderschönen Wortkombinationen. Die stimmungsvollen Szenenbilder verleihen den einzelnen Fragmenten dabei eine ganz besondere Spannung. „Herr Dalí schießt ins Publikum“ ist ein Stück voller Überraschungen: Was wird der Mann, der mit Barbie-Figuren behängt ist, wohl sagen? „Lilly Klotzelmeyer lebt!“, ruft er plötzlich und in seinen Augen flackert Fanatismus – Kopfschütteln, denn die Mitglieder des Ensembles überrumpeln das Publikum mit ambitioniert vorgetragenen Kuriositäten, machen es aber leicht, in diese merkwürdige Welt einzutauchen.
Westfälische Nachrichten, 30.05.2001

Einen ungewöhnlichen Theaterabend präsentiert das Ensemble - im letzten Jahr mit einem Balladenabend zu sehen, der sogar das ZDF auf den Hörster Friedhof lockte – auch in diesem Frühjahr. Unter dem Titel „Herr Dalí schießt ins Publikum“ werden surrealistische Texte zu einer witzigen und abwechslungsreichen Revue verwoben. Erotische Fantasien und Sehnsüchte wechseln sich mit erstaunlichen Geschichten ab.
Münstersche Zeitung, 30.05.2001

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hoddis.berlin -Collage in 7 Bildern über das Leben des Dichters Jakob van Hoddis (2002)

Jakob van Hoddis war der Shooting-Star unter den Avantgardisten der deutschen Literatur in der aufgeheizten Atmosphäre vor dem 1. Weltkrieg. „Oh diese 8 Zeilen!“ – bewunderte Robert Gernhardt die Blaupause apokalyptischer Dichtung, „Weltende“. Kurzen Rhythmen folgend, in prägnanten Bildern, kopfüber und leidenschaftlich wie das berühmte Gedicht, geht das Stück van Hoddis Spuren nach, zeichnet in kräftigen Strichen seinen kometenhaften Aufstieg, wirbelt mit ihm durch das Berlin der neugeborenen Moderne und stürzt mit ihm in den Abgrund: Schizophrenie - das Todesurteil in der barbarischen Naziherrschaft. Mit Originaltexten von van Hoddis und anderen Expressionisten, Zeitungsberichten, mit Einspielungen von Filmcollagen. Tanz erweckt die poetischen Frauenfiguren von van Hoddis zum Leben, surreale Bilder und Lichtdesign in den Farben des Expressionismus bringen seine Visionen auf die Bühne.

Credits

Heike Appel (Lotte Pritzel / Ärztin), Marion Bertling (Emmy Hennings / Mutter), Daniel Grimm (Albert Ehrenstein), Frank Hafemann (Kurt Hiller / Vater), Xenia Multmeier (die Nacht), Sarah Nellen (Tilla Durieux / Herta Hentig), Alexander Roggenkamp (Georg Heym), Christoph Tiemann (van Hoddis), Miriam Volmer (Else Lasker-Schüler / Pflegerin).
Licht: Xenia Multmeier, Torsten Rother.
Bühne: Nikolas Lemonidis
Video: Uwe Rasch

Presse

Die Textcollage aus Gedichten und Zeitdokumenten zeichnete nicht nur das einfühlsame Porträt von Hans Davidsohn, der - wie ein Gemisch aus Kurt Cobain und Klaus Kinski – als Jakob van Hoddis für kurze Zeit die Berliner Szene aufmischte, bevor er in die Schizophrenie versank. Zugleich entstand ein sprudelnd lebendiges Bild dieses Berlins (…) und in jeder Ecke ist das Jahr 2002 zu riechen. „hoddis.berlin“ hauchte dem literarischen Expressionismus Leben ein: sinnlich, poetisch, witzig, ergreifend. Der gesamte Raum der Bühne wurde genutzt, und mit einem wunderbar wandelbaren Bühnenbild entstanden immer wieder überraschende, starke Bilder aus unterschiedlichen Zeiten. Das vielschichtig-detailglitzernde „Poetical“ bestach durch einen großen emotionalen Spannungsbogen, sprühte vor Regieeinfällen energiegeladenen Ensembleszenen sowie zarten Momenten. (…) Ganz große Klasse war Christoph Tiemann als Hoddis.
Westfälische Nachrichten, 09.12.2002
Schon das erste Bild hat es in sich. Gemeinsam sitzen Darsteller und Zuschauer als Gäste auf der Bühne (des „neuen Klubs“ von 1912). Wenn sich die Berliner Bohemiens gegenseitig verspotten, gelingt aber noch mehr: Sie (die Regie) vereinnahmt das Publikum – spontanes Gelächter und Zwischenrufe nicht ausgeschlossen. So geht es weiter. Eindrucksvoll gespielt von Christoph Tiemann erlebt Hoddis in einem Rückblick seine trostlose Kindheit. (…) Das Ganze ist gelungenes Theater, dessen Beurteilung eine Zuschauerin auf den Punkt bringt: Schauspieler und Regie – das war alles profimäßig“.
Münstersche Zeitung 09.12.2002

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I like my Sisters and my Sisters like me-Performance-Palimpseste - In Kooperation mit dem Pumpenhaus Münster

Der Titel des Stücks spielt auf Joseph Beuys Performance an, „I like America and America likes me“. Im Schatten männlicher Künstler fangen in den 60er und 70er Jahren Künstlerinnen an, mit ihrer Arbeit an die Öffentlichkeit zu treten. Wenige von ihnen sehen sich als explizite Feministinnen, aber weibliche Themen rücken mit ihnen ins Licht. Viele der Künstlerinnen sind Kritikerinnen der bestehenden Umsetzung politischer Gleichstellung, beschäftigen sich intensiv mit Themen wie Gewalt gegen Frauen, Zuschreibungen von Geschlechterklischees oder weiblicher, künstlerischer Biografie.
Was ist aus den Ideen der Künstlerinnen geworden, auf welches Echo stoßen sie heute?
Eine schöne Frau wird in eine weiße Kuh verwandelt und kann nicht mehr sprechen; ein junger Mann wird als Hirsch von seinen eigenen Hunden zerrissen.
Mit Geschichten und Mythen, mit Tanz und Performance erzählt theater en face von den verschlungenen Pfaden verbotener Lust, von tabuisierten Verstrickungen zwischen Männern und Frauen.
Haut reißt, Inneres wird offengelegt, Intimes erforscht. In vielschichtigen Bildern reagiert das Ensemble auf Performances von Künstlerinnen aus den letzten Jahrzehnten, wie etwa Yoko Onos berühmtes „Cut Piece“. „I like my Sisters and my Sisters like me“ interpretiert die Performances neu und spielt mit ihren Bedeutungsfeldern: Lust und Gewalt, eindringende Blicke und Strategien des Sich-Entziehens legen eine Spur durch das Stück, verbinden die losen Enden zu einem assoziativen Teppich aus bewegten Bildern und fragmentarischen Texten,- und was wäre ein Stück über Kunst von Frauen, wenn nicht auch Kleider und DAS Kleid der Kleider selbst ironisch und poetisch eine Rolle spielen würden?
Sechs Frauen und vier Männer ringen miteinander, reiben sich aneinander, finden zu einander in immer wieder neuen enigmatischen Bildern zur Live-Musik von Udo Herbst.

Credits

Paula Berdrow , Marion Bertling, Frank Bonczek, Frederic Clausen, Stephanie Escudeiro-Kiessling, Sarah Giese, Gilsuk Ko, Vivien Hecht, Torsten Rother und Christoph Winges.
Musik: Udo und Almuth Herbst.
Video: Gilsuk Ko.
Regie: Xenia Multmeier.

Presse

Bizarr, berührend und bereichernd. Die Performance-Palimpseste erforschen Identität, also Körper und deren Geistesgeschichte, als immer wieder überschriebene Pergamente, auf denen auch das Überschriebene noch durchscheint. Wie zum Beispiel das Video von Yoko Onos „Cut Piece“, das von Performances den Darstellerinnen, u.a. der Tänzerin Vivien Hecht und der koreanischen Performance-Künstlerin Gilsuk Ko, überlagert wird. Die vielgestaltige, intelligente Musik stammt wieder von Udo Herbst. Abgesehen von der schwebenden Leichtigkeit und der teilweise sakralen Entrückung des gesamten Abends, liegt der besondere Charme des Stücks im starken, ergreifenden körperlichen und mimischen Ausdruck der Darsteller. Ein bizarr-berührender, unendlich subtiler, bereichernder Abend voller überraschender, humorvoller Momente, der wegen seiner vielfältigen Eindrücke und emotionalen Fülle mehrfachen Besuch lohnt.
GIG, Februar 2015

Eine spannungsreiche Produktion, in der die Perspektive immer wieder wechselt, mit Witz und Ironie und eindrucksvollen Metaphern.
Westfälische Nachrichten, 07.02.2015

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in dubio-Rechtsphilosophie und die Zerstörung von Sinn (2012/13)

„Humanismus ist obsolet“ – ein fremder Blick trifft auf rechtsstaatlichen Commonsense, sinnerzeugendes Denken auf Zerstörung von Sinn: in dieser Collage werden Texte und Gedankenexperimente von Künstlern wie Franz Kafka, Herta Müller und Jenny Holzer zu einem Bogen gespannt, der Pfeil zielt auf innerste Überzeugungen. Dialogduelle, absurd-komische Szenen und philosophische Denkanstöße werden begleitet von viel Musik:
Aphorismen werden zu den kürzesten Liedern der Musikgeschichte sublimiert, die Band „nur Kafka ist Herta“ singt vielstimmig den Abgesang des Abendlands. Und wer sich schon immer gefragt hat, wozu eigentlich eine Radfahrlegitimation gut ist, bekommt hier Antworten.

Credits

Sarah Giese (Conférencieuse) Marion Bertling (Gesang, Herta-Müller-Texte) Elisa Franz (Gesang, Kafka-Texte) Udo Herbst (Musik) Anne Rolfes (Kafka Tagebucheinträge) Alexander Rolfes (Offizier /Strafkolonie) Torsten Rother (Reisender /Strafkolonie) Fred Clausen (Gehilfe /Prozess) Heiko Eilers (Gehilfe /Prozess) Christoph Winges (Verhafteter /Prozess) Heike Appel (Tanz)

Presse

In ihrer szenischen Textcollage setzt Xenia Multmeier mit theater en face kafkaeske Weltanschauung in Beziehung mit der kraftvollen Poetik Herta Müllers. Entstanden ist ein beeindruckender Theaterabend. (…) Dichtung, szenisches Spiel, Tanz und Musik vereinen sich zu einem wirkungsvollen Ganzen.

Münstersche Zeitung, 17.01.2013

Mitreißende Collage - Es geht um die Schrecken einer allmächtigen Bürokratie und Technikhörigkeit und um die Aufgabe des freiheitlichen Individuums in einer befremdlich wirkenden Welt, die immer mehr aus ihrem humanistischen Ruder gerät. Die sehr eindringliche Darstellung vom „Theater en face“ geht unter die Haut. Aphorismen (manchmal zu viele gleichzeitig) sausen wie Pfeile durch den Raum, der komplett bespielt wird. Wolfgang Mössing entwickelte ein Szenarium mit zugemauerten Türen und transparenten dunklen Schleiern, wie aus einem Albtraum. Das Publikum sitzt mittendrin, ist dem Geschehen so ausgeliefert wie der Bankangestellte Josef K. (energisch: Christoph Winges), der von grauen Wächtern verhaftet wird.
Spotlightartig switcht Regisseurin Multmeier ins Geschehen der „Strafkolonie“. Alexander Rolfes fasziniert als sadomasochistischer Offizier mit eindrucksvoller Sprachgewalt voller feiner Schattierungen.
Die Band „Nur Kafka ist Herta“ (Leitung: Udo Herbst) garniert die Collage mit Blues, Industrial, Ambient und sirenenhaften Gesängen. Die Versuche einer Befreiung spiegelt Heike Appel schließlich ohne Worte mit Tanz. Nach dem stürmischen Applaus bei der „in dubio“-Premiere am Dienstag verharrte das Publikum einige Augenblicke im Stillen.

Westfälische Nachrichten, 17.01.2013

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kafkas ohr -mit Kafka durch Stille und Lärm (2004)

Kafka sperrt seine Ohren auf: Mit einem Glockenschlag tritt man ein in eine Welt aus seltsamen Geräuschen, unheimlichen Begebenheiten und skurrilen Gestalten.
Kafka wird belästigt von nervtötenden Praktikanten, gepeinigt von quasselnden Unterportiers, bedröhnt vom Galopp einer lungensüchtigen Kunstreiterin, aber auch mal gestreichelt.
Eine poetische und komische Revue.

Credits

Nils Dörffer, Gaby Fildhaut, Elisa Franz, Björn Gotzes, Katharina Jockenhöfer, Monika Jordanow, Friederike Krumme, Ralf Matthias, Alexander Roggenkamp, Anne Schömann-Fink, Fabian Sigemund, Katja Völkl
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Kafka ist gewiss kein Bühnenautor und doch sind die Versuche, seine Texte zu inszenieren, Legion, (…) (das Ensemble) steuert die Collage „Kafkas Ohr“ bei, und die ist sehr spannend (…) erstaunlich professionell (…). Immer wieder tauchen vom Spot beleuchtete Szenen aus dem Dunkel auf, werden innere Monologe zu bühnenwirksamer Aktion. Die Zuschauer können Kafka bei der Arbeit über die Schulter schauen. So etwa, wenn er die freudige Erregung bei der Heimkehr in ihr Gegenteil verkehrt und seinen Protagonisten in tiefer Verlorenheit hinterlässt. Es ist die Kunst Kafkas, scheinbar Selbstverständliches aufzubrechen, um den Abgrund dahinter sichtbar zu machen. Und es ist die Kunst der jungen Schauspieler, den Zuschauer in diesen Prozess fundamentalen Erschreckens mit hineinzuziehen.
Westfälische Nachrichten, 29.06.2004

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Lena & the Ruins of Rock´n Roll-(2014)

Ja, wenn ich so glücklich wäre wie sie, einen so behaglichen Zeitvertreib zu finden, ja man könnte sich die Zeit schon so ausfüllen. Alles aus Müßiggang. Denn die meisten Leute beten aus Langeweile, die anderen verlieben sich aus Langeweile, die dritten sind tugendhaft, die vierten lasterhaft, und ich gar nichts, ich mag mich nicht einmal umbringen: es ist zu langweilig.
Georg Büchner

I´m the chairman of the bored.
Iggy Pop

Lena tagträumt ihr Leben unter dem „Grauschleier“, in einer Atmosphäre, die alles ausbrüten kann, Rebellion und Terror, aber auch Poesie und Schönheit. Dandys des Pop und Punk begleiten sie auf ihrer inneren Fahrt von der romantischen Phantasie zu luziden Einsichten und manchmal zur Enttäuschung. In ihren Phantasien wirbelt sie durch eine Traumwelt und lässt die Puppen tanzen: Der biedere backende Nachbar wird zum verwegenen Sänger anarchischer Verse, Schwester und Vater verwandeln sich in philosophierende Zwerge, und die Büchner-Lektüre aus der Schule explodiert in tausend Sprachtrümmer mit durchschlagender Gewalt.
Lenas Zeit ist eine bleierne Zeit – sie zieht sich in ihre Zeit zurück, gegen den Absolutismus der Realität, trägt Radioaktivität in sich. Gedichte, Literatur, Theater sind für sie: ein Lebensentwurf bei dem man völlig die Hoffnung fahren lassen kann. (zitiert nach Romeo Castellucci)
Das Gedicht wird zum Gedicht eines immer noch Wahrnehmenden, dem Erscheinenden Zugewandten, dieses Erscheinende Befragenden und Ansprechenden; es wird Gespräch - oft ist es verzweifeltes Gespräch.
Paul Celan

Credits

Stephanie Escudeiro-Kiessling (Lena), Vivien Hecht (Lena von Pipi /Tanz), Sarah Giese (Ältere Schwester), Mareike Fiege (Jüngere Schwester), Marion Bertling (Mutter), Uwe Rasch (Vater),Torsten Rother (Nachbar), Inga Schwemin (Live-Kamera)
Xenia Multmeier (Buch und Regie)

Presse

In der Regie von Xenia Multmeier hat theater en face ein beeindruckendes Stück auf die Bühne gebracht. Ein Tanztheater voller poetischer Verse in Collagenform mit filmischen Elementen.
Westfälische Nachrichten, 17.11.2014

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Lob der Stiefmutter-nach Mario Vargas Llosa (2008)

Sexuelle Neugier, Eitelkeit, Verführbarkeit, Lust und Intrigen bilden den Betriebsstoff für die Bühnenadaption von Mario Vargas Llosas Roman „Lob der Stiefmutter“. Damit wäre das Drama vorprogrammiert, durchzögen nicht Vargas Llosas feine Ironie, seine Lust an derbem Spaß und exorbitant Skurrilem die schwüle Handlung:
Die 40jährige Dona Lukrezia ist in zweiter Ehe glücklich mit Don Rigoberto verheiratet, so kommt sie auch zu einem Stiefsohn, Alfonso. Die attraktive Schönheit scheint auf ihn jedoch wenig mütterlich zu wirken, er beobachtet sie heimlich beim Baden und umwirbt sie. Während Lukrezia mit sich ringt, ob sie dem angenehmen, unmoralischen Kitzel nachgeben soll, zelebriert ihr Gatte allabendlich langwierige und komplizierte Waschungen, und das Hausmädchen Justitiana philosophiert sich ihre eigenen Weisheiten zu dem Geschehen frei nach Wittgenstein...

Credits

Alexander Roggenkamp, Alexander Rolfes, Anne Schömann-Finck
Live-Saxophon: Britta Tekotte
Bühnenfassung und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Alexander Roggenkamp tauchte ab in die Charakter-Untiefen des betrogenen Ehemannes, (…), während sein Filius sehnsüchtige Liebesbriefe verfasst: In Windeseile hatte sich Roggenkamp als Teenager um Jahrzehnte verjüngt und strampelte im himmelblauen Lotterbett. Anne Schömann-Finck gurrte dann die Erotik-Skala von (stief-)mütterlichen Tönen hinauf bis zu Liebesseufzern – und war Sekunden später wieder das eilfertige Dienstmädchen Justitiana, das mit seiner Freundin abstrakt-philosophische Gespräche am Telefon abwickelte. Selbst der Erzähler Alexander Rolfes riskierte begehrliche Blicke hinter die Kulissen. Vargas-Llosa (Bühnenfassung und Regie: Xenia Multmeier) spart nicht mit erotischen Beschreibungen, ohne sich in Peinlichkeiten zu verirren. Britta Tekotte (Saxofon) kreuzte als melancholischer Wanderer die Bildflächen eines szenischen Erotikons, in dem die Welt durchs Nasenloch gesehen und doch die Liebe als Weg der Freiheit gefunden wird. Glänzend!
Münstersche Zeitung, 18.01.2008

Die Darstellung dieser Ambivalenz des Heranwachsenden ist das große Glanzlicht der insgesamt wirklich sehenswerten Aufführung. (…) Die Story hat das Potential zu einem schwülstigen Herumgeschmachte, doch nichts dergleichen war in der dichten Atmosphäre zu spüren. So war die Rolle des Hausmädchens Jusitiana eine wahre Wonne. Immer angelehnt an den Philosophen Wittgenstein nachdenkend, brachte sie so manche urkomische Szene zustande. Grandios waren ebenfalls die Körperreinigungsszenen. Da konnten sich die Zuschauer fast nicht mehr auf dem Stuhl halten. Einen Gutteil des humoristischen Potentials der Inszenierung ist dem Erzähler Alexander Rolfes zu verdanken, er führte durch die Geschichte und kommentierte fein ironisierend so manche Gedankengänge der Figuren.
Westfälische Nachrichten, 18.01.2008

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Manhattan Cocktail -3 New Yorker Episoden (2009)

Innerhalb von ca. zwei Stunden wechseln sich Stimmungen, An- und Einsichten über New York ab. Teil 1 erzählt von der zerstörerischen Liebe zwischen einem schwarzen Boxer und einer weißen Malerin (nach dem Welterfolg „The Violent Wedding“ von Robert Lowry), der Teil 2 „Songs & Poetry“ verdichtet poetische und musikalische Steckbriefe der einzigartigen Metropole zu einem Kaleidoskop aus Sprache, Rhythmus und Musik, in Teil 3 liefern sich Woody Allens neurotische Helden witzige und rasante Wortgefechte (Bühnenfassung nach dem Film „Hollywood Ending“).
Robert Lowry war richtungsweisend für die amerikanische Nachkriegsliteratur, er inspirierte auch die Beat Generation. Sein Roman „The Violent Wedding“ („Tag, Fremder“) machte ihn schlagartig, wenn auch nur für kurze Zeit berühmt. In lakonischer Sprache und psychologisch einfühlsam schildert Lowry das Aufeinandertreffen der gegensätzlichen Welten von „Baby“ James Paris, einem Preisboxer aus Harlem und Laine Brendan, einer lebensmüden Künstlerin aus Greenwich Village, die kometengleich in einer kurzen und explosiven Begegnung verglühen. Bühnenfassung von Xenia Multmeier.
„Songs & Poetry“ spannt einen weiten Bogen von Walt Whitman über Langston Hughes, Thelonious Monk, Anne Sexton u.v.m. bis zu Jim Jarmusch und den Talking Heads. Eine Auswahl aus dem künstlerischen Hexenkessel, um den wechselnden Pulsschlag der Stadt wiederzugeben, einige ihrer Nervenbahnen freizulegen. Texte und Livemusik, mit Udo Herbst an Gitarre und Saxophon.
„Hollywood Ending“ schließt den Abend temporeich ab. Wie kann ein hypochondrischer Regisseur, psychosomatisch erblindet, einen Film drehen und dabei seine Ex-Frau zurückgewinnen? Woody Allens witzigste Dialoge, vor dem Hintergund seiner geliebten Stadt.

Credits

Teil 1: Marion Bertling (Laines Mutter), Stephanie Escudeiro-Kiessling (Laine Brendan), Uwe Rasch (Dick Willis), Alexander Roggenkamp (Erzähler ), Bakary Sow (Baby James Paris) Live-Schlagzeug: Simon Holthaus Bühnenfassung und Regie: Xenia Multmeier
Teil 2: Gerrit Althüser, Stephanie Escudeiro-Kiessling, Elisa Franz, Sarah Giese, Anna-Lena Hattenhorst, Udo Herbst, Franziska Heßhaus, Anne Schömann-Finck, Alexander Silva Regie: Xenia Multmeier
Teil 3: Gerrit Althüser (Tony Waxman, Assistant), Sarah Giese (Andrea Ford), Anna-Lena Hattenhorst (Sally), Franziska Heßhaus (Lori Fox), Jens Lanwer (Übersetzer), Uwe Rasch (Val Waxman), Torsten Rother (Al), Anne Schömann-Finck (Ellie), Alexander Silva (Mr. Ranjib), Manuel Talarico (Hal Yaeger) Gitarre: Udo Herbst
Bühnenfassung und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Berauschender Manhattan Cocktail – eine Vielfalt von Blicken auf die Metropole, heraus kam ein buntes Panoptikum der Stadtansichten, das sich sehen lassen kann. (…) Udo Herbst ließ mit seiner Musik den Puls der Stadt spüren. Vielfältig blitzen beim „Manhattan Cocktail“ die Aspekte und Facetten auf, an denen man sich berauschen kann. Was das theater en face da auf die Bühne gebracht hat, ist ein dichtes Panoptikum, eine zärtliche Liebeserklärung, ein Stadtführer ohne Karte – sehenswert!
Westfälische Nachrichten, 20.01.2009

Tolles Stück – mit der Bühnenfassung von Robert Lowrys Roman „Tag, Fremder“ eröffnete das theater en face seinen knapp dreistündigen „Manhattan Cocktail“. Wie vielfältig ein solches Getränk schmecken kann, demonstriert das 15köpfige Ensemble im zweiten Teil mit Songs und Texten von Walt Whitman bis Grandmaster Flash. Wo Manhattan drauf steht, muss Woody Allen drin sein. Multmeier inszeniert temporeich - Uwe Rasch spielt hintergründig und urkomisch.

Münstersche Zeitung, 20.01.2009

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Mindwalk-Rezitation, Schauspiel, Hörinstallation (2002)

Wer einmal in den Kopf des anderen hineinschauen könnte… Wie arbeitet das Gehirn, was verbirgt sich in seinen Windungen, welche Blüten treibt es hervor, welche Ungeheuer gebiert es? Schriftsteller, Neurologen, Ärzte, Philosophen und Künstler liefern das Material für den künstlerisch-wissenschaftlichen Walk-Act durch das Philosophikum am Domplatz.
Beginnend in den Dachstübchen der Philosophen führt er bis hinunter in die Kellerräume des Gebäudes, die Requisiten- und Rumpelkammer der Bühne. Auf dem Weg nach unten und aus dem Gebäude hinaus, entlang an Fieberkurven und Gehirnwellen, begegnet man Wittgenstein, einer Patientin von Freud, wird gehirngewaschen, stolpert über Rilke und wird schlussendlich mit Kafka entlassen. Videoprojektionen arbeiten mit Täuschungen der Wahrnehmung, Hörinstallationen setzen äußere Umgebung und innere Bilder in Beziehung und die Schauspieler spielen was vor – aber hatten wir die Szene nicht schon gerade auf einem anderen Stockwerk gesehen? Nein, irgendwas ist anders…

Credits

Marion Bertling, Christoph Bohm, Jessica Henkel, Xenia Multmeier.
Video: Torsten Rother
Regie: Xenia Multmeier

Presse

“Mindwalk” – das klingt nach “walk-about”, dem rituellen Weg junger Aboriginies entlang der Traumpfade im australischen Outback. Durch das Outback des Gehirns führt die multimediale Textcollage des theaters en face, durch die Schreib- und Denkwelten von Kafka, Freud und Rilke, durch die konsensfreien Ansichten eines Killers oder durch den Verfall eines jungen Arztes, der zu viele Gehirne in den Händen gehalten hat.
Der aufmerksame Hirnwanderer wird reichlich belohnt mit amüsanten und anrührenden Erkenntnissen über sein Zentralorgan und dessen Sinn für das Absurde und das Spielerische, für dessen Witz und Zerbrechlichkeit. Neben den Spielszenen demonstrieren Hörspiel, Film und Videoprojektionen die unterschiedlichen Wahrnehmungsmuster des Gehirns. Die vier Darsteller unter der sensiblen Regie von Xenia Multmeier beherrschen die nuancierten Übergänge zwischen Komik und Ernst bravourös. Hinter jeder Hirnbiegung wartet eine neue Überraschung.
Westfälische Nachrichten, 22.10.2002

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Mohnnacht-Ein Schauerstück mit Texten und Liedern der Romantik

Joseph von Eichendorff, E.T.A. Hoffmann, Robert Schumann, Hugo Wolf u.a. standen Pate bei der Produktion „Mohnnacht“.
Regisseurin Xenia Multmeier verwebt Texte und Lieder zu einer Nacht des Irrationalen, des düster Schaurig-Schönen. Den Plot liefert Hoffmann: Schwere Träume suchen den Studenten Nathanael heim, (s)ein böser Geist führt ihn immer tiefer abwärts in eine finstere Nacht. Da trifft er die schöne Olimpia. Verwirrende Leidenschaft und dunkle Ahnungen treiben ihn über die Grenzen der Vernunft hinaus... Die Lieder und Gedichte kommentieren die Höllenfahrt Nathanaels.
Ein Abend zu den romantischen Themen Sehnsucht, Mystik, Nacht und dem Traum, einen künstlichen Menschen zu erschaffen.

Credits

Alexandra Baensch, Marion Bertling, Alexander Rolfes, Anne Schömann-Finck, Christoph Winges
Musiker: Johannes Dolezich (Klavier), Almuth Herbst (Mezzosopran), Udo Herbst (Gitarre)
Buch und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Die Mezzosopranistin Almuth Herbst singt machtvoll Lieder, deren rhythmisch und harmonisch verfremdete Begleitung durch Tasteninstrumente (Johannes Dolezich) und Gitarre (Udo Herbst) die erzählerische Brisanz verschärft. Bis das mystische Schauerstück in psychopathischen Horror abdriftet. Eine frische Aufführung, die voller Spontaneität, Improvisationslust und Natürlichkeit steckt, mit düsterer Spannung und theatralischer Wucht punktet. Unbedingt sehenswert!
Münstersche Zeitung, 11.11.2009

Düster, schaurig, unheimlich - und zugleich urkomisch. (…) Fantasie und Realität verweben sich zu einem dichten Knäuel, das sich kaum entwirren lässt, aus dem das Stück seine Dynamik gewinnt. (…) Und bei all dem Grusel: Nie mangelte es an Humor, der immer feinsinnig daherkam, sich wie ein doppelter Boden in das Stück einschlich. (…) Vermutlich heißt das Stück nicht ohne Grund „Mohnnacht“ – schließlich ist Mohn ein Opiat und wirkt schmerzlindernd: Wem die Dunkelheit dieser Jahreszeit zu schaffen macht, dem sei ein Abend mit dem theater en face wämstens empfohlen.
Westfälische Nachrichten, 11.11.2009

Kristalline Interpretationen machen den Abend zu einem Erlebnis.
GIG, November 2009

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nenenene, jajajaja-Büchner, Beuys und die Revolution (2006)

Wieso Büchner und Beuys? Georg Büchner und Joseph Beuys sind Kritiker der bürgerlichen Umsetzung sozialphilosophischer Ideen, beide beschäftigten sich intensiv mit der französischen Revolution, beide haben ihr soziales Konzept in der Kunst radikal abgebildet. Die Beuys-Figur führt durch das Stück, kommentiert mit Zitaten seiner Aktionen. So konfrontiert sich die energievolle, positive Haltung, sein Witz mit der geschichtspessimistischen Haltung Büchners. Die Collage arbeitet mit den Figuren Büchners: sie zeigt die innere und äußere Reise des Dichters Büchner/Lenz, der auf seinem Weg Figuren wie den gesellschaftlichen Außenseiter Woyzeck trifft. Anfangs reflektiert er über sie im schriftstellerischen Prozess, auch nimmt er in lustvoll-ironischen Parodien die höfische Gesellschaft aufs Korn. Aber mit zunehmender geistiger Anspannung bekommen seine Figuren ein halluzinatorisches Eigenleben, nach und nach verschwimmen die Grenzen von äußerer und innerer Realität. Verzweifelt rennt der empfindsame Skeptiker der Revolution gegen die Wände der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Beuys erzeugt mit seinen Kommentaren und Aktionen immer wieder Gegenbilder und letztlich eine heilsame Spannung. Live-Musik, geschrieben und gespielt von Udo Herbst, ergänzt einfühlsam und intensiv die Stimmungen.

Credits

Marion Bertling, Uwe Rasch, Alexander Roggenkamp, Alexander Rolfes, Anne Schömann-Finck.
Musik: Udo Herbst
Buch und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Beuys Auftritte sind kurz, ungekünstelt und doch unübersehbar (…) In knappen Sätzen überschreibt er diese Aktionen mit seinen Gesellschaftsvisionen. Seine Vision ist der erweiterte Kunstbegriff, in dem jede menschliche Tätigkeit gestalterisch auf Gesellschaft, Kultur, Politik und Ökologie einwirkt. (…) Oder leben wir doch „in einem ewigen Gewaltzustand“, und können Gewalt nur mit Gewalt begegnen, wie eine Figur Büchners fordert? Die Zuschauer können die Synthese bilden.
Münstersche Zeitung, 03.11.2006
Gedankenschwere und leichtlebige Unterbrechungen, rasant, aktuell. (…) Es wirkt besonders, dass die Bühnen auf das Wesentliche reduziert und ins tiefe Dunkel getaucht sind. Zwischen die Szenen legt Udo Herbst seine Klangelemente, die man vielleicht „Kupfersound“ nennen kann: An einer Stange aufgehängt Metallkörper und ein Eigenbau-Piano liefern Klänge zwischen Fabrikemissionen, Mahagonny und den Nachtlauten afrikanischer Steppen. Uwe Rasch spielt täuschend echt.
Westfälische Nachrichten, 03.11.2006

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On (oh) NO! Education-Projekt zu Kunst, Pädagogik und Philosophie

Schlagabtausch und Wortgefechte:
Welche Stimmen streiten sich bis heute über die Förderung kindlicher Entwicklung zum gesellschaftlichen Wohle? Schiller und Rousseau, Montessori und modernes Classroom-Management, Künstler – sie alle reden sich die Köpfe heiß in witzigen und ernsthaften Dialogen. Als roter Faden zieht sich der Struwwelpeter durch das Stück – vom Nervenarzt und Jugendpsychiater Heinrich Hoffman 1844 geschrieben, illustriert er klinische Phänomene unserer Zeit.
Erzählt wird eine Fantasie über Karl Friedrich Gauß´ ambivalente Erziehungskarriere. Das gleichzeitig lineare und widersprüchliche Leben des Künstlers der Arithmetik, Astronomie und Geometrie sowie die Verbote, von denen das Kinderbuch handelt, bieten Anschauungsmaterial für die Themen, die sich im Stück in 6 Bildern entfalten: Konzentrationssteigerung – Umgang mit Bedürfnissen – Leistungsdenken – Gewalt und Freiheit – Spezialisierung zum „Taugeetwas“ – Burnout und Vereinzelung.
Live-Musik mit der renommierten Mezzosopranistin Almuth Herbst, Tanz, bewegte Bilder und ironische Leichtigkeit würzen den pädagogischen Salat.

Credits

Marion Bertling (u.a. Maria Montessori)
Frank Bonczek (u.a. Wilhelm Eduard Weber)
Frederic Clausen (u.a. der Direktor)
Stephanie Escudeiro-Kießling (u.a. Eugen Gauß)
Sarah Giese (u.a. Minna Gauß)
Uwe Rasch (u.a. Robert Filliou)
Christoph Winges (Carl Friedrich Gauß)

Vivien Hecht (Tanz und Choreografie)

Musik:
Almuth Herbst (Mezzosopran)
Udo Herbst (Gitarre)

Video: Xenia Multmeier / Torsten Rother

Regieassistenz: Gerrit Althüser

Regie und Collage: Xenia Multmeier

Presse

Multmeiers Collagentechnik, die auf abwechslungsreiche Weise Bewegung (Choreografie und Tanz: Vivien Hecht), Musik von Almuth und Udo Herbst sowie videounterstützte Szenen und Schauspiel miteinander verbindet, kommt gut an. Gelungen auch Xenia Multmeiers und Frederic Clausens vielfältig einsetzbare Kulisse aus Papier. Wenn Mütter ihre Köpfe hindurchstoßen, um den Nachwuchs zu kontrollieren, hat das auch etwas Komisches.
Westfälische Nachrichten, 06.03.2016

Poetischer und witziger Parforceritt durch die Geschichte der Erziehung und die gegenwärtige Bildungsmisere. Staubtrockene Pointen: Christoph Winges. Entzückend wildromantisch: Stephanie Escudeiro-Kießling.
GIG, März 2016

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Portnoys Beschwerden-nach Philip Roth (2009)

Der 33-jährige Alexander Portnoy erzählt seinem Psychoanalytiker Dr. Spielvogel sein Leben. Er wächst, von seiner überfürsorglichen Mutter und seinem ängstlichen Vater behütet wie ein Augapfel, in kleinbürgerlichem, jüdischem Milieu in Newark auf.
Der intelligente junge Mann macht äußerlich eine an den American Way of Life angepasste Karriere in einer New Yorker Kommission zur Bekämpfung von Diskriminierung, jedoch hat er die Vorurteile seiner Umgebung so internalisiert, dass er unter Zwangsphantasien, in Form von antisemitischen Zeitungsschlagzeilen, leidet. Genauso kann er die Überfürsorge seiner Eltern nicht abschütteln, das Tor zur Freiheit wird schon in der Pubertät eine ausschweifende Sexualität mit obsessiver Selbstbefriedigung, später dann mit häufig wechselnden Freundinnen.
Doch eine Befreiung gelingt nicht, Minderwertigkeits- und Schuldkomplexe gehen mit seinen Erlebnissen Hand in Hand. Eine junge Frau, das „Äffchen“, ungebildet aber die „Erfüllung seiner schlüpfrigsten Pubertätsträume“, rührt den gebildeten Akademiker besonders an, doch als sie sein fest zementiertes emotionales Korsett bedroht, flieht er nach Israel. Dort hofft er, endlich im gelobten Land zu sein...
Der Roman, 1969 erschienen, wurde schnell zu einem Bestseller, spaltete sein Publikum jedoch, da insbesondere die detaillierten Sex-Szenen im prüden Amerika auf Empörung stießen. Doch auch die feine Dialektik, mit der der jüdische Autor Roth in seinem Kunstprodukt jüdisches Bewusstsein zeichnet, wurde z.T. vergröbert als Antisemitismus rezipiert.
Die Spannweite zwischen Komik und anrührenden Szenen interessierte besonders bei der Bühnenadaption von theater en face. Fünf Schauspieler bringen Portnoys Beschwerden knapp konzentriert auf die Bühne.

Credits

Stephanie Escudeiro-Kießling (das Äffchen), Uwe Rasch (Vater Portnoy), Alexander Roggenkamp (Portnoy), Anne Schömann-Finck (Soldatin), Ellen Zitzmann (Mutter Portnoy)
Bühnenfassung und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Wer „Elegy“, die Verfilmung eines Spätwerks von Philip Roth, gesehen hat, sollte die Bühnenfassung seines Frühwerks „Portnoys Beschwerden“ auf keinen Fall verpassen. Was Xenia Multmeier mit dem theater en face aus dem urkomischen, widerspenstigen, fröhlich sexistischen und das jüdische Leben kritisierenden Roman gefiltert hat, ist teils Essenz des Stoffes, teils aktuelle Neudeutung. (…) Ein toller Abend, mit Szenenbeifall und vielen Lachern. Der großartige Alexander Roggenkamp überführt Portnoys anmaßende Selbstgerechtigkeit in eine Studie melancholisch-tragischen Außenseitertums: mit Dreifinger-Technik.
Westfälische Nachrichten, 01.07.2009

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Seltsamkeitsbegierde-Theater, Performance, Video (2000)

Begierden haben die Menschen viele, manchmal seltsame. Wie entwickelt sich ein schleichender Übergang von scheinbar normalen Alltagsbegebenheiten in andere Dimensionen, die Tragik und Komik in sich bergen? Triefende Wassertropfen verwandeln sich in Lebewesen, aus Versteckspiel wird bitterer Ernst, beim Warten lauert der Wahnsinn - aber durch Angeln kann Liebe entstehen.

Credits

Performance: Marion Bertling, Xenia Multmeier, Ellen Zitzmann
Video: Martin Enders, Rainer Mensing
Regie: Xenia Multmeier

Presse

Die Darstellerinnen zauberten mit einfachsten Requisiten eine besondere Atmosphäre auf die Bühne. Die Gesprächsszenen lassen Raum für die Phantasie des Zuschauers – nichts ist hier endgültig festgelegt. Hier ist eine Collage entstanden, die den Namen „Seltsamkeitsbegierde“ verdient – denn das Stück weckt Gier nach Seltsamkeiten, den Sinn für Unsinn und schafft Platz für die Tiefenwirklichkeiten im Alltäglichen und Zwischenmenschlichen.
Münstersche Zeitung vom 25.10.2000

Anspruchsvolle Collage – eigenwillige Umsetzungen. „Seltsamkeitsbegierde“ ist eine vergnügliche Auseinandersetzung mit menschlichen Schwächen und Stärken. Die gelungene Auswahl der Stücke gewinnt an farbiger Strahlkraft durch die engagiert spielende Gruppe „en face“, die jedem einzelnen Segment einprägsam Leben verleiht.
Westfälische Nachrichten, 25.10.2000

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Tadellöser & Wolff-nach dem Roman von Walter Kempowski (2004)

Die Kultsendung der 70er Jahre und der Deutschen ihrer liebsten Bücher eins bearbeitet für die Bühne!
Das Geschichte einer deutschen Familie im 2. Weltkrieg: Hitlerjugend und Jazz, (Propaganda)parolen und interner „Familienschnack“, Leberwurst und „braunes Pack.“ – „wie isses nur bloß möglich?“

Credits

Marion Bertling (Margarethe Kempowski), Benjamin Haag (Robert Kempowski), Monika Jordanow (Ursula Kempowski), Uwe Rasch (Karl Kempowski), Alexander Roggenkamp (Walter Kempowski), Torsten Rother (Sven Sörensen), Christian Völtz (Manfred), Ellen Zitzmann (Frl. Schnabel).
Regie: Xenia Multmeier

Presse

theater en face glänzte mit „Tadellöser und Wolff“ – (…) gar nicht Bange ob des großen Erbes inszenierte Regisseurin Xenia Multmeier das Gesellschaftsdrama für die Bühne neu, entschlackte es ordentlich und modernisierte es mit flash-artigen, aber pointierten Mini-Szenen. Das Ergebnis braucht sich hinter dem Original nicht zu verstecken: Das Ensemble „theater en face“ begeisterte die Zuschauer. Das lag neben den bis ins kleinste Detail historisch korrekten Requisiten und Kostümen vor allem an den tadellosen und mit wunderbar hanseatischem Akzent sprechenden Schauspielern, die mit ihrer Ausdruckskraft an die alten Ufa-Filme erinnerten. Vor allem Uwe Rasch als leicht hysterisches, aber dennoch liebevolles Familienoberhaupt Karl glänzte mit tragikomischen Paraden. Als „Swing-Kid“ deutete Alexander Roggenkamp (Sohn Walter) das zwiespältige Innenleben seiner Generation sehr nuanciert, aber wirkungsvoll an. Für Lachsalven, aber auch Mitleid sorgte Marion Bertling, die als grenzenlos naive Mutter sehr gut verdeutlichte, warum Vergangenheitsbewältigung für gerade diese Generation so schwierig wurde. (…)
Münstersche Zeitung, 26.11.2004

Mitunter wird es mulmig (…) Uwe Rasch kriegt die Gekränktheit des respektgewohnten Patriarchen großartig hin. Damit bringt er das Problem der Kempowskis auf den Punkt. Der Rostocker Reeder-Familie wird es viel zu selten mulmig in den Jahren 1939 – 1945, ihr gemütliches Leben ist „Tadellöser und Wolff. Von den Nazis hält man nicht viel, aber eine ausgeprägte Meinung leistet man sich auch nicht. Das ist zugleich das Problem der sehr ehrgeizigen Produktion, die bürgerliche Behaglichkeit lässt sich wunderbar persiflieren, (…) ist herzerfrischend komisch. Dass hier aber auf einem Vulkan getanzt wird, könnte bisweilen noch deutlicher werden. (…) Der Spaß hört auf, wenn Mutter persönlich zur Gestapo läuft, um ihren dämlichen dänischen Schwiegersohn rauszuhauen. Parteiabzeichen gegen Fuchs-Kragen, Menschenverachtung gegen Mutterliebe, und das alles unmittelbar zwischen den aufmerksamen Zuschauern – das ist beklemmend stark.
Westfälische Nachrichten, 26.11.2004

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Tobende Ordnung-Stück für Entrückte, Tänzer und Schauspieler (2013)

Wie atmet man Wörter? Mit Poesie und Kunst auftauchen aus dem Strudel von Gedanken und Gefühlen und --- Luft schnappen.
Mitfahren in Zügen, die sich kreuzen auf unsichtbaren Schienen über den Baumkronen, mitgehen im Salto mortale, mit Ohrfeige und Faustschlag, und sich in den Herzkammern wiedertreffen – das zehnköpfige Ensemble setzt die zarte und ausdrucksstarke Lyrik der Art Brut in Szene und kontrastiert sie mit künstlerischen Manifesten. Kunst und Konzept stürzen sich auf Lust und Leben.

. Ein Abend über Ordnung, Bewegung und Chaos, Freiheit, eingesperrte und sich Bahn brechende Gefühle.
Das Stück „Tobende Ordnung“, inszeniert in einem white cube, der Klinik aber auch Ausstellungsraum sein kann, funktioniert wie eine lebende Ausstellung.
Thematischer Leitfaden ist die Idee der Kunst und des Schreibens als Überlebenskonzept. In vier „Ausstellungsräumen“ werden diese Idee und die Produkte dieses Überlebenstrainings unter verschiedenen Blickwinkeln präsentiert.
„Ausstellungsgegenstände“ sind zum einen Texte von Frauen, die in die Mühlen der Psychiatrie um 1900 gerieten, teils auch, nachdem sie sich gegen sexuellen Missbrauch zur Wehr setzten.
Es sind schriftliche Zeugnisse, die neben vielen Zeichnungen und textilen Kunstwerken unter extremen Bedingungen entstanden, ohne Zeichen- oder Schreibpapier, z.T aus Haaren, Bettzeug oder anderen, gerade habhaften, Textilien hergestellt. Grundlage für eine gespielte Fassung ist z.B. ein Brief in Form eines gestickten Teppichs, 87 x 82 cm, der auf der Vorderseite die Geschichte der Autorin in Bildern zeigt, auf der Rückseite ihr Schicksal in einem Brief an den Kaiser gestickt (!) schildert.

Sprunghaft, wie sie in den Zeichnungen der Frauen auftauchen, kommenTexte heutiger AutorInnen aus Westfalen vor, die z.T. in Schreibwerkstätten im Alexianer entstanden sind. Sie sind auch in getanzter oder musikalischer Form zu sehen und hören. Diese Texte atmen intensive Gefühle und überzeugen durch gedankliche Direktheit.

Dieses Material tritt in Dialog mit Konzepten, Manifesten und Anspielungen auf Werke von Künstlern wie Sol Lewitt, Robert Filliou, Martin Kippenberger, Jonathan Meese, Filippo Tommaso Marinetti, Bruce Nauman. Auch Jean Dubuffet selbst, Sammler und Prophet der Art brut, kommt zu Wort.
Die Produktion wurde vom Kunsthaus Kannen freundlich unterstützt.

Credits

Paula Berdrow, Frederic Clausen, Stephanie Escudeiro-Kießling, Sarah Giese, Uwe Rasch, Anne Rolfes, Torsten Rother, Christoph Winges
Live-Musik von Michael Holz (Posaune und Klavier)
Tanz: Vivien Hecht
Konzept und Regie: Xenia Multmeier.

Presse


Prinzhorn Aktuell

Xenia Multmeiers Intention geht doppelt auf: räumlich und über das Schauspiel selbst. Es ist wie ein Spiel mit Emotionen: Wie viel hält der Mensch aus?
Westfälische Nachrichten, 07.10.2013

Mit Kunst aus seelischen Nöten – großer Respekt für Schauspieler, Musiker und die Regie: Sehenswert!
Münstersche Zeitung, 07.10.2013

Mit Performance, Drama und Tanz erforschen die zehn Darsteller die Topografie von Lebenslust und Verzweiflung, Ausgeliefertsein, Renitenz und Widerstandskraft und die ergreifend poetischen Glücksfälle von Schieflagen. Aus dem starken Ensemble, das gekonnt die ganze Klaviatur von zarter Melancholie bis zu befreiendem Grimassieren beherrscht, stechen insbesondere die hinreißend kraftvoll-grazile Tänzerin Vivien Hecht und die raffniert kalkulierten musikalischen Interventionen von Michael Holz (Posaune und Klavier) heraus.
GIG im Oktober 2013

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Tuning Schubert -ein Stück nach Motiven der Winterreise

Fremd bin ich eingezogen / fremd zieh ich wieder aus“ – in vier Bildern erzählt das Projekt von theater en face von Einsamkeit, Fremdheit, dem Zurückgeworfensein auf sich selbst und dem Wunsch nach Erlösung.

Traum und Wirklichkeit verschwimmen, das eigene Leben scheint zu entgleiten. Tanz, poetische Bilder, kraftvolle Texte und die zu Herzen gehende Schubertsche Musik (Gesang: Almuth Herbst, Musiktheater im Revier, Gelsenkirchen) begleiten die Winterreise. Udo Herbst löst die klassische Liedbegleitung im Verlauf des Stücks immer weiter auf, bis nur noch der kristallklare Gesang die Soundcluster durchdringt.

Credits

Heike Appel (Tanz), Marion Bertling, Sarah Giese, Uwe Rasch, Anne Schömann-Finck, Christoph Winges
Mezzosopran: Almuth Herbst
Gitarre / Synthesizer: Udo Herbst
Bühne: Robert Baron
Konzept und Regie: Xenia Multmeier

Presse

Weiße Klötze bevölkern die Bühne. Einer von ihnen ist ein Fremder. Er ist aus Eis. Während der knapp 90minütigen Aufführung wird er sich unbemerkt ein wenig davonmachen, schmelzen und in einen bewegteren Aggregatzustand übergehen - wie das lyrische Ich in der Winterreise, dessen Schmerz in immer größere Todessehnsucht übergeht.

Das „theater en face“, das seit vielen Jahren in bewährter Intensität Theater-Projekte präsentiert, hat sich an eine Bearbeitung der Winterreise gemacht. Die Regisseurin Xenia Multmeier hat mit ihren fünf Darstellern, kongenial unterstützt durch den Musiker Uwe Herbst und den Gesang Almuth Herbst eine mutige szenische Antwort auf Schuberts Liederzyklus gefunden. Bei Multmeier und Herbst wird der Gesang durch elektronische Musik begleitet und verfremdet. Musikalisch ist das ein Gewinn, denn manches Lied ist allzu vertraut und kann so neu entdeckt werden. Die Regie führt den losen Szenenreigen über Motivbögen vom „Verlassen“ über „Schwarz“ und „Fluchten“ bis zu „Weiß“.

Wie auch die Schubertsche Komposition, die in ihrer tieftraurigen Wehmut bereits den Tod des Komponisten vorwegzunehmen scheint, kreisen die Motive um Tod, verschmähte Liebe, Stürme im Draußen und Drinnen, und um das große Rätsel der Zeit. Marion Bertling, Sarah Giese, Uwe Rasch und Christoph Winges spielen in schnell wechselnden Schnitten Versatzstücke.

Besonders wohltuend sind die Ausflüge ins komische Fach, wenn zum Beispiel alle traditionellen Bräuche aufgezählt werden, die es braucht, damit eine Ehe glücken kann. Wie fragil das Glück ist, man kann es kaum augenscheinlicher machen. Videoinstallationen untermalen die Szenerie. Eine wunderbare Erweiterung innerhalb des Werks ist die Tänzerin Heike Appel.

Westfälische Nachrichten, 16.10.2011

Der Schlaf einer jungen Frau, deren Gesicht auf einer Projektionsfläche im Hintergrund zu sehen war, gebar Ungeheuer menschlicher Einsamkeit. (…) Heinrich Kleists kriegerische Sprachgewalt schien die unheimlichen Abhörprotokolle von Wehrmachtsoldaten, die ihre Grausamkeiten lachend bereden, mit hellseherischer Düsternis vorwegzunehmen.
Die theatralischen Schubert-Interpretationen von Almuth Herbst verweigerten sich aller Lieblichkeit und biederen Konvention. Vom „Lindenbaum“ fielen die schönen Herbstblätter, ein paar Schnipsel von Udo Herbsts E-Gitarre katapultierten die Schubertschen Trostlosigkeiten in die verhexte Gegenwart. Zurück blieb ein Grillenzirpen, ein Augenblick bewegter Stille: das Leben – eine Erschütterung.
Münstersche Zeitung, 07.11.2011

„Seit der Entdeckung der Quantenphysik müssen wir davon ausgehen, dass das Universum jede mögliche Geschichte hat.“ Diesseits der Quantenmechanik zeigt das neue Stück von theater en face, dass auch die Welt der Bedeutungen und des Bewusstseins als Quell jeder möglichen Geschichte herhalten kann. Eine junge Frau berichtet begeistert von Heiratsritualen, Wehrmachtspiloten erzählen vom Spaß, englische Landgesellschaften im Tiefflug zu füsilieren, und ein nasser junger Mann wird im Schoß einer Frau getrocknet. Die Vielstimmigkeit von Xenia Multmeiers Text- Bewegungs- und Klangcollage pulsiert in den Synkopen der Trauer, Verlorenheit, Gewalt, Lebensbejahung, Nostalgie und Dumpfheit. Jede Stimme, jede Geste eine Selbstbehauptung, jede Selbstbehauptung ein Störtext der anderen. Wobei immer wieder „Textteile fehlen“. Das ist der Stoff, aus dem unsere Räume sind. (…)
Man könnte vermuten, dass „Tuning Schubert“ nur eine freundliche Ausdrucksvariante für „Deconstructing Schubert“ sei. Aber die „Winterreise“ wird weder dekonstruiert noch aktualisiert. „Postmodernes Zitieren ist nicht gemeint“, sagt eine Stimme. In die romantische Metaphysik schiebt sich moderne Physik; wo Sinn sich zu verflüchtigen droht, schleicht sich Sinnlichkeit ein.
GIG im September 2011

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Verborges in der Bibliothek -(2015)

Bibliothek total! Jorge Luis Borges´ berühmter Text „Die Bibliothek von Babel“ neu gesehen, gelesen und performativ in Szene gesetzt. Nachwuchsschauspieler*innen von theater en face bespielen die Bibliothek des Germanistischen Instituts der Universität Münster und bringen Borges´ Universum mit anderen Texten zum Klingen. Live-Musik von Michael Holz untermalt das Programm atmosphärisch mit poetischen Klangteppichen und Liedern über Signaturen … ein Seh- und Hörstück für Leseratten, Bücherwürmer und Bibliophile.

Credits

Gerrit Althüser, Thiemo Epping, Michael Holz, Anna Kehl, Inga Schwemin, Anna Zuther

Presse

Raffiniertes Spiel mit dem Realen und Surrealen – literarische Spannung zwischen Buchregalen.
Westfälische Nachrichten, 25.06.2015

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